Geschichte der Flösserei

Im Herbst 1991 ging eine Epoche zu Ende und ein Berufszweig verschwand. Die Flößerei auf dem Trysilälven/ Klarälven wurde aufgegeben, aber Vildmark i Värmland hält mit seinen Holzfloßfahrten auf dem Klarälven zumindest einen Teil der Traditionen aufrecht.

Holzflößerei auf dem Klarälven

Unsere großen Waldgebiete liegen zum größten Teil im Landesinneren, während die Industrie und Häfen an den Küsten zu finden sind. Die Flüsse waren gewöhnliche Transportwege und wir wissen, daß bereits im 17. Jahrhundert den Klarälven hinunter geflößt wurde. Die Holzflößerei erlebte ihre Blüte im 19. Jahrhundert, als  zahlreiche Sägewerke und die Industrie entstanden. Holz, zuerst Stämme und etwa ab 1870 auch Bretter, wurden über Flüsse, Bäche und Seen geflößt. Zu Anfang vermischte man noch das Holz verschiedener Eigentümer. Um Übersicht zu bekommen, wurde gegen 1830 eine Vereinigung gegründet, die sich „Die Herren Holzhändler des Clarälven und der umliegenden Wasserläufe“ nannte. Dieser Verband war der Ausgangspunkt der Flößervereinigung Klarälven, KFF, welche 1893 gegründet wurde.

In der Hochkonjunktur der 1950er Jahre waren mehr als 1800 Menschen in Lohn und Brot mit der Flößerei auf dem Klarälven befaßt. Genannt sei hier der legendäre Flößerchef Bo Lundén, tätig zwischen 1952 und 1980. Im Rekordjahr 1957 wurde eine Holzmenge geflößt, die 26.700 Lastwagen mit Anhänger entspricht. KFF war die letzte aktive Flößervereinigung des Landes. Im Herbst 1991 war aber auch für sie schließlich das definitive Ende gekommen und damit auch für die Holzflößerei auf dem Klarälven und somit in ganz Schweden.

Trysilälven - Klarälven

In Värmland waren der Trysilälven/Klarälven die größten Flößerwege mit einer Gesamtlänge von mehr als 400 Kilometern. Die Flößerei über die Grenze zwischen Norwegen und Schweden wurde bereits in einer Verordnung von 1766 geregelt. Zwischen 1959 und 1991 wurde die Flößerei auch auf der norwegischen Seite durch den KFF vertreten. In den letzten Jahren stammte das Flößereigut zum Großteil aus dem norwegischen Engerdalen im Bereich Trysil. Der Klarälven ist ein relativ einfach zu beflößender Fluß mit geringem Gefälle und nur wenigen Stromschnellen und Fällen gleich hinter der Grenze auf schwedischer Seite. Der Bau des Kraftwerkes Höljes 1962 erleichterte die Flößerei, unter anderem durch den Höljessee, der zum Lager für das Holz aus Norwegen wurde. Der KFF hatte die Rechte auf eine gewisse Menge „Flößerwasser“, welches der Staudamm abließ, um ausreichenden Wasserstand zum leichten Flößen im Klarälven zu garantieren. Beim herbstlichen „Aufräumen“ löste ein Team alles Holz, was sich am Ufer festhakt hatte. Der Fluß sollte am Ende jeder Saison sauber sein.  

An den Sammelstellen gab es nur ”Ekshäringer”

Die Flößerei wurde in Skandinavien oft als lose Flößerei betrieben, das heißt, man hat einzelne Stämme bis zu einem Sammelpunkt treiben lassen. Im Gebiet um Forshaga gab es zwei solche Sammelstellen, eine in Löved und die größte im See Lusten. An diesen Stellen wurde das Holz nach Eigentümern und Sortiment sortiert. An den Enden war das Holz durch die Eigentümer mit Markierungsäxten gekennzeichnet. Später wurde auch mit Farbe markiert. Das Holz gleicher Markierung wurde zusammengestellt zu großen Bündeln und dann mittels Boot zur Verarbeitungsindustrie transportiert (geschleppt). An diesen Sammelstellen trafen sich Menschen aus ganz Värmland, um in der Sommersaison dort zu arbeiten. Die Sammelstelle Lusten verfügte über Wohnbaracken und fest angestelltes Küchenpersonal, welches jeden Tag mindestens drei Mahlzeiten zubereitete. Egal, woher auch die Arbeiter kamen, man nannte sie alle "Ekshäringer" („Ekshärader“).

Der Frühling kommt mit Freuden!

Von den Sammelstellen Lusten und Löved wurde das Holz verbunden in langen Schleppzügen zur industriellen Weiterverarbeitung nach Forshaga und zum Vänernsee transportiert. So ein Schleppverband konnte etwa 550 Meter lang sein und bis zu 10.000 Stämme enthalten. Die Bugsierboote waren nach ihrem Heimathafen im See Lusten benannt und in der Reihenfolge ihrer Indienststellung numeriert. Es war ein sicheres Frühlingssignal, wenn die grün und weißen Lustenboote ihre langen Schleppzüge auf dem Klarälven und durch das Stadtzentrum von Karlstad bugsierten. Um 1930 schrieb ein Mädchen in einem Schulaufsatz: „Nun ist der Frühling gekommen und damit auch die Lustarna“! Dieses Wortspiel mit der schwedischen Sprache ist zweideutig, es können die Boote gemeint sein, aber auch die Frühlingsgefühle. In den letzten 10 Jahren der Flößerei gehörte alles Holz der Firma Stora Skog und daher wurden die Sortier- und Sammelstellen und auch die Bugsierboote überflüssig. Die Sammelstelle Lusten wurde 1982 geschlossen und die Boote verschwanden vom Wasser des Klarälven. Alles Holz ließ man in loser Flößerei den Klarälven hinabtreiben, die gesamte Strecke von Norwegen bis zu den Skogshallswerken in Karlstad, der letzten verbliebenen flößereiorientierten Holzfabrik. Heute wird alles Holz mit dem Sattelauflieger oder dem Zug transportiert.

Der letzte Stamm ist vorbeigetrieben. . .

Im Herbst 1991 ging eine Epoche zu Ende und ein Berufszweig verschwand. Die Flößerei auf dem Trysilälven/Klarälven wurde aufgegeben, da Stora Skog beschlossen hatte, alle Transporte mit Lastwagen und Eisenbahn zu realisieren. Am 27. November 1997 beschloß die Regierung, den Klarälven nicht länger als gewerbliches Flößereigewässer deklariert zu belassen. Damit entfiel auch die Rechtsgrundlage der gewerblichen Flößerei auf auf dem letzten Flößereigewässer des Landes. Die Flößervereinigung Klarälven wurde in Hedegårds Pensionat in Ekshärad auf der Jahreshauptversammlung am 27. März 1998 aufgelöst.

. . . aber die Erinnerung bleibt!

An der alten Sammelstelle in Löved, wo der KFF auch seine Werkstatt hatte, findet man heute Dyvelstens Flößereimuseum. Das heutige Personal war schon damals in der Werkstatt tätig. Eine Ausstellung zeigt die Flößereiepoche auf dem Klarälven, und am Landungssteg liegen einige Bugsierboote, unter anderem Lusten 8 mit einem technisch interessanten Glühkopfmotor. Dort befindet sich auch ein Café und eine dorthin umgesetzte alte Flößerhütte. Im Sommer hat das Museum täglich geöffnet. Auch in Karlstadt im Värmlands Museum findet sich einiges über die Flößerei. Dort können Sie an Bord der Lusten 2 gehen, die Bestandteil einer Ausstellung ist. Und auch wir von Vildmark i Värmland wollen mit unseren Holzfloßfahrten einen Teil der Traditionen erhalten.

Internationalen Flößereifestivals

In vielen europäischen Ländern ist gewerbliche Flößerei betrieben worden. Diese ist heutzutage überall verschwunden, aber in vielen Ländern findet man Vereine, die die alten Traditionen und Erinnerungen bewahren wollen. Diese Menschen aus verschiedenen Ländern treffen sich auf Internationalen Flößereifestivals. Im Jahre 1993 arrangierte die „Republik Klarälvental“ das sechste Festival. Mehr als 300 Gäste aus acht Ländern kamen nach Branäs und nahmen drei Tage lang an den Flößereiaktivitäten auf dem Klarälven teil. Danach war die „Republik Klarälvental“ auf den Festivals in Deutschland 1994 und Frankreich 1995 vertreten. Das Festival 1997 fand in Norwegen statt, wurde aber im Dyvelstens Flößereimuseum eröffnet und in Edebäck konnten sich die Besucher ein Flößereiboot bei der Arbeit ansehen.