Die Geschichte des Klarälven

Der Klarälven ist ein sehr alter Fluss, der sich Jahrhunderte lang durch das anliegende Gestein gefressen und Steine und Sand auf seinem Weg in Richtung Vänernsee mit sich genommen hat. Dies schuf das einzigartige Aussehen des Flusstales. Bis heute werden große Mengen Naturmaterial entlang des Flusses transportiert. Im Winter werden schätzungsweise 20 bis 25 Tonnen Schwemmmaterial täglich durch das Wasser transportiert. Während des Frühjahrshochwassers kann diese Menge fast 5000 (!) Tonnen erreichen. Der Begriff Klarälven bedeutet "Fluss mit dem klaren Wasser".

Die Geschichte des Flusses

Nach der letzten Eiszeit, in Värmland vor mehr als 9000 Jahren, reichte das Meer als ein schmaler Fjord bis weit in das Klarälvtal hinein, bis zum heutigen Höljes. Im südlicheren Teil handelte es sich um eine breite Bucht, die in Höhe des heutigen Ransäter in eine Schärenlandschaft überging. Die Breite des Tales war ungewöhnlich konstant, einen knappen Kilometer im Norden, etwas breiter im Süden. Südlich von Sysslebäck hat sich der See Vingängsjön gebildet. An diesem See lassen sich bis heute bis zu 50 Meter hohe Terrassen bewundern, die die Reste des früheren Meeresarms sind. Anfangs lag Klarälvens Mündung in der Nähe von Kristinehamn, aber mit der Zeit veränderte sich sein Lauf. Heute mündet der Klarälven etwas westlicher, in Karlstad, in den Vänernsee.

Gemeinsam mit dem Götaälv bildet der Klarälven Schwedens längstes Flusssystem, ganze 720 Kilometer. Der Fluss entspringt einer Quelle im Härjetal und fließt bereits als großer und mächtiger Strom durch den norwegischen See Femunden. Als Trysilälv rinnt der Fluss mit voller Kraft durch Norwegen, bis er schließlich wiederum die Grenze zu Schweden übertritt. Vom nördlichsten Värmland folgt er einem geraden Kerbtal, dem Klarälvtal, nach Süden und bildet auf einer Strecke von etwa 100 Kilometern beeindruckende Mäanderbogen. In der Nähe von Gunnerud haben im Zusammenhang der Gletscherschmelze große Sedimentablagerungen das Tal gefüllt und den Fluss gezwungen, nach Westen auszuweichen, wo er mit mehreren Wasserfällen und Stromschnellen ein neues Tal erschuf. Heute sorgen eine Vielzahl von Kraftwerken für ruhigere Fließgeschwindigkeiten.

Mäanderbögen

Der Klarälven ist gänzlich einzigartig mit seinen regelmäßigen Mäanderbögen auf einer Strecke von fast 100 Kilometern. Es gibt nur wenige vergleichbare Flussläufe. Am ehesten ist hier ein Teil des Bear River in Alberta, Kanada zu nennen. Kürzere Abschnitte mit ähnlichem Aussehen gibt es hingegen an vielen Stellen, beispielsweise am Mississippi. Ab dem südlichen Ende des Vingängsjön, wo der ruhigere Teil des Klarälven beginnt, fließt der Fluss mit einer Geschwindigkeit von etwa 2 km/h nach Süden. Hier beginnen auch die etwa 100 Kilometer naturbelassener Flusslauf! Die großen Mäanderbögen haben die besondere Landschaft mit schönen Flussufern und vielen Sandstränden geschaffen. Im nördlichen Teil ist das Tal etwas enger und der Wald wächst direkt bis ans Ufer heran. Weiter südlich öffnet sich das Tal und schafft Platz für kleine Dörfer und Landwirtschaft. 

Mensch und Fluss

Im 20. Jhd begannen die Menschen, sich im großen Stil für den Fluss zu interessieren. Das hat vor allem im südlichen Teil des Flusses, zwischen Gunnerud und Karlstad, seine Spuren hinterlassen. Dort liegen heute viele Dämme und Kraftwerke, die den Fluss beeinflussen. 1960 wurde ein gewaltiges Kraftwerk mit einer Fallhöhe von 88 Metern in Höljes gebaut, wodurch der riesige Höljessee entstand. Das ziel war nicht nur die Stromgewinnung, sondern auch, den Fluss und seine stark schwankenden Frühjahrshochwasser zu regulieren. Dennoch wurden große Teile des Tales 1995 überschwemmt. Während dieser Überschwemmung wurde Klarälvens Camping nördlich von Stöllet weitgehend zerstört. Der Campingplatz wurde komplett renoviert und gehört heute, wie auch das nördlichere Branäsäng, zu Vildmark i Värmlands Bauplätzen für Holzflöße.

Pilgerpfad

Entlang des Flusses verläuft ein uralter Pilgerpfad nach Nidaros (dem heutigen Trondheim), wo sich das Grab des Heiligen Olov befindet. Olov war eine Schlüsselfigur der Christianisierung Norwegens und der Legende nach hatte die Quelle an seiner früheren Grabstätte heilende Wirkung. Der Pilgerpfad führt jedoch nicht zu dieser sagenumwobenen Quelle, sondern zu seinen Gebeinen, die nach Trondheim überführt wurden. Vor etwa 500 Jahren war dies der meistbenutzte Weg in Schweden. Die prägte die Landschaft im Tal. Beispielsweise liegen die Kirchen etwa einen Tagesmarsch voneinander entfernt. Die Kirchen waren nicht nur Gebetsstätte, sondern boten auch sicheren Platz für Übernachtungen. Mit der Zeit entwickelten sich kleine Dörfer rund um die Kirchen. Davon zeugen noch heute viele Ortsnamen, die auf munk (Mönch) oder kors (Kreuz) enden.